Schwedengrabenspaziergang + Forschungen zur Kapelle in Schirnaidel und zum Schießberg

Quasi den Übergang von Schule zu Ferien bildete eine kleine „Geschichtswanderung“, die Dr. Rudolf Distler zweimal mit je einer halben vierten Klasse (Corona-Vorsicht !) entlang des ursprünglichen Verlaufs des Schwedengrabens gemacht hat; es war gleichzeitig ein Erlebnisrundgang durch ein Stück „sagenhaftes“ Eggolsheim.
Aber R. Distler ist auch in diesem neuen Schuljahr offen für die Zusammenarbeit mit der Schule - nachdem auch schon wieder Anfragen gestellt worden sind! - und er würde eine solche Exkursion (in entsprechend modifizierter Art) interessierten Erwachsenen ebenfalls anbieten.
Der Schwedengraben, der aus dem Graben selbst und einem Schutzwall bestand, stammt schon aus dem Beginn des 13. Jahrhunderts; er war die alte Ortsgrenze.
Viel historisch Interessantes, aber auch Gruseliges genauso wie Lustiges konnte R. Distler auf lebendige Weise den Schülern erzählen, die ihm besonders an bestimmten Haltepunkten aufmerksam lauschten.
Wie man bis heute die vier sogenannten Spitzenkapellen zu jeder Himmelsrichtung hin noch sehen kann, so gab es ursprünglich auch vier Tore, von denen nur noch das Hirtentor im Süden erhalten ist. Ein Torwart (natürlich kein Fußballer!) hatte die Aufgabe, die Ortstore abends zu schließen und am nächsten Morgen wieder zu öffnen; bei konkreter Gefahr blieben sie wohl auch über Tag geschlossen. Man wollte Kontrolle darüber haben, wer nach Eggolsheim hineinkam und wer sich hinausbegab.
Die Wanderung begann an der Stelle des ehemaligen Bamberger bzw. Unterstürmiger Tores (auf Höhe des zum jetzigen Rathauskomplex gehörenden Tanzsaals), durch das auch Reisende mussten, die auf der wichtigen Handelsstraße von der Ostsee über Leipzig, Nürnberg, Augsburg und Bozen bis zum Mittelmeer unterwegs waren. Eggolsheim wurde vor etwa 600 Jahren eine beliebte Haltestation mit der großen Brauerei Hofmann samt so genannter Erbschankstätte; dazu gehörten ein Bauernhof und ein „Hotel“ (wohl nicht im heute verstandenen Sinn). Es gab noch drei weitere solcher Schankstätten im Ort.

Die Händler transportierten mit Planwagen - oft aus weiter Ferne - Eisen, Kupfer, Werkzeuge, Tuche sowie Geschirr und kamen mit Gewürzen, Seide und Baumwolle wieder zurück. In Eggolsheim übernachteten sie, wurden verpflegt und die Pferde wurden gewechselt. Im Wirtshaus hörten auch die Dorfbewohner in unterschiedlichen Dialekten von den jeweils jüngsten wichtigen Ereignissen in halb Europa und vielleicht von neuesten Entdeckungen oder Erfindungen, wobei aber sicher manches Mal von den angekommenen Händlern übertrieben oder sogar gelogen worden ist; spannend war es auf jeden Fall für die Einheimischen, die so mit der „großen, weiten Welt“ verbunden waren!

Schon früh, vor etwa 400 Jahren, wurde im Tanzsaal und auf den zu den Gasthäusern gehörenden Kegelbahnen - z. B. auch auf der der Familie Kraus - das Tanzen und Kegeln als Sport betrieben. Auf dem schmalen Weg zwischen dieser zuletzt erwähnten Bahn mit ehemaligem Biergarten und den Gärten der Grundstücke von der Hauptstraße aus ging es weiter. Dieser Weg ist ein Stück des zugeschütteten Schwedengrabens. Die Eigentümerin eines an ihm endenden Grundstücks öffnete ihre Gartentür für die Geschichtswanderer und die Schüler - übrigens zusätzlich von ihrer Lehrerin Horler-Kovacic begleitet - durften auf dem Privatgrund ein jetzt begrüntes Stück des noch deutlich erkennbaren Walles von 1,50 m bis 2 m Höhe „erklimmen“.

Da der inzwischen größtenteils eingeebnete (Schweden-)Graben selbst wiederum etwa zwei Meter tief war, kann man sich die Wirksamkeit der Schutzanlage in den alten Zeiten durchaus vorstellen; das Wasser für den Graben wurde vom Eggerbach um das ganze Dorf gelenkt.

Eggolsheim konnte durch Graben, Wall und Palisaden (Hindernisse aus Holzpfählen), vor allem auch oben vom Turm der alten, noch „geosteten“ Kirche (Altar nach Osten zum Heiligen Land hin gerichtet) sowie durch die Kirchhofmauer insgesamt recht gut verteidigt werden, z.B. 1632 im Schwedenkrieg . An einigen schwärzlichen so genannten Brandsteinen kann man allerdings bis heute an dessen Ostseite (Richtung Kauernhofen) erkennen, wie auch dieser für die jetzige Kirche „weiterverwendete“ Turm damals in Mitleidenschaft gezogen worden ist.
Auf dem Kirchengelände angekommen, machte R. Distler dann auf einen - für Laien kaum als solchen zu erkennenden - Rest der ehemaligen Kirchhofmauer aufmerksam, an die die erste Schule Eggolsheims mit Lehrerwohnung direkt angebaut worden ist; heute ist das Gebäude das kirchliche Jugendheim. Der Keller des ehemaligen Schulhauses ist auch als „Beinhaus“ genutzt worden, d.h. es wurden dort Schädel und Knochen Verstorbener aufgehoben.
Für die Kinder der heutigen Zeit war es schwer vorstellbar, dass sich (nach alten Dokumenten!) der Lehrer nach Abriss der vorherigen Kirche während der Bauzeit der jetzigen beschwert hat, weil das Baumaterial im Bereich des ganzen Kirchhofes abgelagert wurde und die Ziege des Schulmanns deshalb dort nicht mehr genug Gras zu fressen fand. Ein Lehrer, der damals sowieso hauptsächlich mit Naturalien bezahlt wurde, brauchte aber die Milch und das Fleisch seines Tieres zu seinem Lebensunterhalt.

Auf einem Weg am jetzigen Friedhof und am Pfarrhaus vorbei ging es dann Richtung Obere Mühle, wo noch lange Korn gemahlen worden ist, aber ab dem Jahr 1905 auch Strom hergestellt und verkauft wurde für die Ortslampen.
Eine andere, weiter oben „Am Ranger“ gelegene Mühle - Wiesenmühle genannt - ist aller Wahrscheinlichkeit nach vor etwa 700 Jahren bei einer Sturmflut weggeschwemmt worden; doch später versuchte man das durch eine Sage zu „erklären“: Der geizige Müller soll eine Bettlerin mit ihren Kindern verjagt haben; sie verflucht den Müller, wünscht ihm Böses. Noch am selben Tag ereignet sich ein Unwetter und Müller samt Mühle verschwinden in reißenden Fluten!
Die Gelegenheit war gut, den Begriff der Sage, speziell der Heimat- oder auch Ortssage, zu beleuchten, vor allem, wie bzw. warum sie entstehen: verloren gegangenes oder noch nicht vorhandenes Faktenwissen, kombiniert mit geheimnisvollen und oft auch mit angsteinflößenden (vielleicht auch nur eingebildeten) Erlebnissen führten leicht dazu, dass solche fast immer sehr alten „Geschichten“ wie die von der Wiesenmühle zuerst nur mündlich weitererzählt, später natürlich auch teilweise aufgeschrieben wurden, und so entstanden ganze Sammlungen von Sagen, die sonst wohl längst verloren wären.
Rudolf Distler hatte die Schüler schon gleich zu Anfang aufgefordert, sich in die Lage eines Pärchens zu versetzen, das - vom Tanzen kommend - auf seinem Nachhauseweg Richtung Weigelshofen im Dunkeln den Schwedengraben entlanglaufen muss: am Friedhof vorbei, dann vielleicht auch noch durch ein Stück Wald. Das waren für die damaligen Menschen unheimliche Orte voller Gespenster und sogar vom Teufel besetzt! Wenn auch noch das Gerücht umging, dass ein schwarzer Hund am Schwedengraben Wanderer erschreckt habe, ein schwarzer Mann auf dem Friedhof herumlaufe und beim alten Pfarrhaus ein Gespenst oder sogar der Teufel selbst hause, dann wundert man sich wohl weniger darüber, dass die jungen Leute sehr gegen ihre Ängste ankämpfen mussten, als mehr darüber, dass sie überhaupt noch zum Tanzen gingen.
Auf dem Weg im großen Bogen zurück zur Schule hatte eine Familie „Am oberen Tor“ (Straßenname) ebenfalls erlaubt, dass die Kinder diesmal den alten eigentlichen Schwedengraben ansehen konnten, der direkt hinter dem Haus der freundlichen Unterstützer der kleinen Exkursion noch in seiner Originaltiefe verläuft - an noch einem anderen Grundstücken vorbei - bis zur Rosenaustraße!
Nachdem diese überquert worden war, erläuterte Rudolf Distler die Geschichte und (sogar noch heutige) Funktion der schon oben erwähnten Spitzenkapellen, von denen man hier die östliche im Blickfeld hat.
Ursprünglich standen in der Zeit um 1500 jeweils vor oder neben den Toren nur Sandsteinbildstöcke, an deren Front meistens eine Kreuzigungsszene dargestellt ist und hinten sowie an den Seiten Heiligenfiguren. Auf Grund der zunehmenden Verwitterung wurden diese Bildstöcke im Laufe des 18. Jahrhundert „eingehaust“, d.h. mit den spitz zulaufenden Dächern auf Stützbalken versehen, die wiederum aus einer Fachwerkumrandung der altarähnlichen Steinbilder erwachsen. So sind sie zu den „offenen Kapellen“ geworden und sie sind bis heute beim alljährlichen Flurumgang am Sonntag nach Fronleichnam Stationen, an denen besonders um den Segen für die Feldfrüchte, überhaupt für alle landwirtschaftlichen Belange immer noch gebetet wird. Aber in früheren Zeiten ohne irgendwelche Versicherungen waren die Bauern absolut abhängig von passendem Wetter; Unwetter, Dürre und womöglich verhungertes oder durch Seuchen verendetes Vieh waren automatisch und immer die große Katastrophe. Umso mehr brauchten sie Prozession und Gebet und bauten darauf. Auf der Fortsetzung des Schwedengrabens - hauptsächlich hinter den Gärten und Häusern, die zur Hartmannstraße gehören - erzählte Rudolf Distler noch weitere Sagen, z.B. die von drei Burschen, die im Kauernhofener Wald Holz gestohlen haben; daraufhin erscheinen fünf unheimliche, weiße Jungfrauen, vor denen die Burschen nach Rettern fliehen. Es wurde eine ganze Zeit geglaubt, dass diese Jungfrauen alle 60 oder 70 Jahre wiedererscheinen.
Auch ein rotes feuriges Männlein ärgert einen Bauern, indem es sich mit auf dessen Leiterwagen setzt und sich nicht vertreiben lässt bis zur Haustür des Bauern. Als der auch dort noch schimpft und flucht, weint das Männlein und ist plötzlich weg.
Eine große Rolle spielt in den hiesigen Sagen oft die Verdammnis „der armen Seelen“ ; sobald ein Mensch sich, ob einem Feuermännchen gegenüber oder etwa auch einem weißen Hündchen ohne Kopf, nicht ehrerbietig genug benimmt, muss eine solche arme Seele dafür in die Hölle ! Die heutigen Viertklässler schien das aber, Gott sei Dank, nicht allzu sehr zu beeindrucken oder zu erschrecken.
Schließlich gelangte man zum Hirtentor, eigentlich einem Torhaus mit verschließbaren Toren und mit Wohnmöglichkeit für Gemeindebedienstete wie Nacht- und Flurwächter und Hirten; aber auch Durchreisende, Arme und Flüchtlinge konnten zeitweise eine Bleibe finden.
Die jetzt in der Nähe des Hirtentores stehende Martersäule soll an einen Streit zweier Brüder erinnern, die mit Dreschflegeln aufeinander losgegangen seien und ein Bruder den anderen erschlagen habe. Das damalige so genannte Hochgericht - auch als Hals- oder Blutgericht bezeichnet - bezog sich auf schwere Straftaten, auf die vier „hohen Rügen“: Mord, Brandstiftung, Diebstahl und Sexualstraftaten. Zwölf Schöffen sprachen auch bei Totschlag, der schon als Mord gesehen wurde, das Todesurteil. Der Verurteilte wurde dann über die „Galinggass“ zum Galgen geführt, der sich aber nicht mehr im Ort selbst befand, sondern relativ weit außerhalb wahrscheinlich in dem Bereich einer ehemaligen Sandgrube; heute sind nahe dem heutigen Bahndamm, etwa 200 Meter in Richtung Forchheim gegenüber der Schleuse 94 eine Baumgruppe und Sträucher zu sehen, die auf die Galgenstelle hindeuten. In jüngerer Zeit sind dort tatsächlich Schädel gefunden worden. Makabererweise hat das Wort „Galing“ auch die Bedeutung von: Frist, Endpunkt.
Die Hinrichtung war öffentlich und bot bei Anwesenheit eines Henkers, der Gerichtsknechte und eines Priesters den gaffenden Dorfbewohnern eher Gaudi und willkommene Abwechslung, was heute nur schwer verständlich ist.
Aber natürlich gab es auch kleinere Strafen, die vom „Niedergericht“ verhängt wurden: z.B. die öffentliche Schandstrafe, wenn etwa zänkische Frauen durch ihre Streitereien zum Ärgernis geworden waren. Dann wurden im Ort selbst die Frauen in so genannte Halsgeigen gesteckt und sie mussten sich - beide am Hals und an den Händen gefangen - auf kleinste Entfernung auseinandersetzen, konnten sich zwar weiter beschimpfen, sich sogar gegenseitig bespucken und von unten mit den Füßen treten, aber die sie noch aufhetzenden oder sie auslachenden Menschen, die um sie herumstanden, haben sicher auch dazu beigetragen, dass die „Streithennen“ sich schließlich doch schämten und sich wieder beruhigten.
Rudolf Distler hatte im Vorhinein zwei solche (selbstgebastelten) Halsgeigen beim Hirtentor deponiert und zum hellen Vergnügen der übrigen Schüler meldeten sich schnell zwei Mädchen, ließen sich in die „Geigen“ einsperren und spielten ihre entsprechenden Rollen.
Schließlich hörte man beim Weitergehen auf dem Schwedengraben (als Straße) Richtung Kreuzung: Haupt-/Bahnhofstraße, Spital-/Martinstraße noch Erklärungen zum ehemaligen Spital, das vor über 600 Jahren - schon 1380 in Urkunden erwähnt ist.
Wer konnte bzw. durfte es nutzen? Zum einen Pilger, Bettler, Obdachlose und heimgekehrte Verwundete, zum anderen Soldaten von Kreuzzügen. Finanziert wurde das Spital durch Spenden und Stiftungen wohlhabender Bürger. Die Bewohner wiederum mussten versprechen, (damals sagte man wohl eher: geloben), dass sie besonders am Namenstag und am Sterbetag für das Seelenheil der Wohltäter beteten; es gab sogar eine Hauskapelle. Der Spitalaufseher, so etwas wie ein Hausmeister heute, sorgte dafür, dass Ordnung herrschte, und zur Milchversorgung der Gäste wurde eine Spitalkuh gehalten.
Das heutige, immer noch Spital genannte Gebäude ist ein „Neubau“ von 1878. Nach Auflösung der Stiftungen und seiner entsprechenden Funktion dienten die Räumlichkeiten des auffälligen Hauses (aus Wanderrichtung gesehen:) gleich rechts neben der westlichen Spitzenkapelle von 1921 bis 1961 auch als Gendarmeriestation. Der Gendarm fuhr mit dem Fahrrad in die umliegenden Dörfer auf Streife und regelte so Manches - vertraulich - auch am Wirtshaustisch. 1962 ging das Spital dann in den Besitz der politischen Gemeinde über, die es bis heute bautechnisch in Ordnung hält und Wohnungen darin vermietet.
Die kleine „Geschichtstruppe“ überquerte schließlich die Hauptstraße, vorher den Eggerbach, der ehemals nicht in Beton eingefasst war und an dessen Ufer Gänse weideten; deren Hinterlassenschaften brachten den Eggolsheimern den Spitz- bzw. Spottnamen „Gänsdreckleser“ ein (Die Unterstürmiger dagegen waren die „Hörnerböck“!). Den Charakter des alten Eggolsheim prägten auch, z.T. am Bachrand, insgesamt acht Ziehbrunnen, denen aus drei bis vier Metern Tiefe Grundwasser entnommen werden konnte. Die Hauptstraße ist - geschichtlich betrachtet - noch gar nicht so sehr lange überhaupt geteert. Auf der anderen Seite ging es ein kurzes Stück die Martinstraße hoch, bevor die Schüler mit den Begleitpersonen hinter dem Heißmangelhaus nach rechts abbogen und dann (natürlich nach vorher gegebener Erlaubnis) teilweise mehr oder weniger auch über „Stock und Stein“ durch Gärten und über Höfe, bis man scheinbar plötzlich Eggerbach-Halle und Schule vor sich sah. Selbst für jemanden, der schon relativ lange in Eggolsheim lebt, war auch dieses letzte Stück des Erlebnisrundgangs entlang des Schwedengrabens noch ein echtes Aha-Erlebnis. Auch wenn man am Ende gar nichts mehr davon hatte sehen können, so war man doch auf der ganz alten Ortsgrenze gelaufen und Schutzwall und Graben waren irgendwie unter den Füßen/Schuhen gewesen.
Als sich alle Schwedengraben-Erkunder voneinander verabschiedeten, spürte man bei den Kindern die Freude und das erweckte Interesse für die so lebendig gemachte „erlaufene“ Geschichte ihres Schulortes und vielleicht gibt es nun auch Erwachsene, speziell neu hinzugezogene, die sich zusätzlich auch auf diese Weise eingewöhnen möchten - und nicht nur dadurch „richtige“ Eggolsheimer werden wollen, dass sie einmal in den Eggerbach gefallen sein müssen !
Elisabeth Görner

 

 

 

Forschungen zur Kapelle in Schirnaidel und zum Schießberg

Im Dezember kommt nun als Heft 29 der heimatgeschichtlichen Zeitschrift VOM MAIN ZUM JURA eine Kapellengeschichte mit bislang unbekannten Forschungsergebnissen zur Bau-, Kunst-, Personen- und Frömmigkeitsgeschichtenheraus. Verfasst hat sie Dr. Josef Urban aus Eggolsheim. Zwei Aufsätze von Wolfram Degen aus Seigendorf befassen sich mit dem Schießberg, zwei weitere mit der Wasserversorgung auf dem Jura und in der Fränkischen Schweiz.
Wie bisher angenommen wurde, ist die Kapelle nicht vom Bamberger Hofarchitekten Johann Dientzenhofer, sondern vom Bamberger Baumeister Andreas Rheinthaler geplant worden. Dieser hat 1718/1719 die Kapelle auf dem Veitsberg bei Ebensfeld gebaut und nach deren Architekturformen die Schirnaidler Kapelle mit Dachreiter ausgeführt. Am 24. Juni 1720 wurde sie Johannes dem Täufer und den Vierzehn Nothelfern geweiht. Zeitnah folgte der Barockkapelle das Barockschloss Jägersburg, erbaut vom „Vater des fränkischen Barocks“ Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn. Einzigartig sind im Inneren die barocken Altäre und die Kanzel, geschaffen von der Bamberger Handwerkergemeinschaft  Leonhard Gollwitzer und Franz Jörg, Bildhauer und Schreiner.  Von Gollwitzer stammen auch die drei Fassadenfiguren und das Bischofswappen, dann die eindrucksvollen, als junge Erwachsene dargestellten Nothelferfiguren in den Nischen der Langhaus- und Chorwände. So wird die Kapelle als „Klein-Vierzehnheiligen“ bezeichnet, damals als Stiftung auf dem Sterbebett des fürstbischöflich-bambergischen Kanzleibeamten Johann Georg Pfister (+1718) oberhalb der sechs Häuser erbaut, ähnlich der Wallfahrtskirche in Vierzehnheiligen.
Die würdige Capelln Sancti Joannis Baptistae Zu Schirn Eitl erhielt 1718 zwei Glocken aus der Forchheimer Gießhütte. 1732, 1837 und 1917 kamen die Orgeln hinzu. 1880 malte der Münchner Kunstmaler Kitzinger die Kreuzwegstationen. 1890 wurden die öfters durch Unwetter beschädigten Kirchenfenster bunt mit Werken aus der Kgl. Hofglasmalerei F.X. Zettler in München, angeregt und konzipiert von dem aus Schirnaidel stammenden Domkapitular Michael Pfister (+1899). Er half der Kapellenstiftungsverwaltung in allen fachlichen Fragen. 1903 wurde der gesamte Innenraum mit Ornamenten und dem Deckengemälde der Hl. Familie ausgemalt.
Schließlich konnte das in der kirchlichen Kunst einzigartige Ölgemälde an der Emporenbrüstung als „Johannes fährt in einer Walnuss durch die Lüfte“ verifiziert und ein christologischer Bezug hergestellt werden.
In der Baugeschichte der oft vom Hagelschlag heimgesuchten und auf ungünstigen Grund stehenden Kapelle sind zwei große nicht verwirklichte Turmprojekte von 1870/1871 und 1895-1897 interessant.
Die Abonnenten der Zeitschrift erhalten das Heft (180 S., zahlr. Abb., Pläne, 17,00.--€) automatisch. Wer nicht zu dieser Gruppe gehört und Interesse hat, möchte das Heft spätestens bis 5. Oktober 2020, Terminschluss für die Auflagenfestlegung, bitte vorbestellen bei Dr. Josef Urban, Schillerstr. 15, 91330 Eggolsheim; Email: josef.urban@yahoo.de

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