Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, liebe Kinder und Jugendliche!

 

In der letzten Gemeindezeitung hatte ich zu einer Bürgerversammlung mit dem Thema „Ansiedlung eines Technologie- und Logistikzentrums im Bereich der Spedition Klumm“ eingeladen. Die Veranstaltung am 21. Juli um 19 Uhr im Veranstaltungssaal der Eggerbachhalle brachte bei ca.120 Anwesenden im Ergebnis eine deutliche Ablehnung der Planung der Fa. Geis hervor. Zum Zeitpunkt der Sitzung des Marktgemeinderates am 27. Juli brachten viele Bürger ihren Unmut dann auch noch vor der Halle zum Ausdruck. Zwischenzeitlich war am Nachmittag ein Schreiben der Fa. Geis eingegangen, dass man das Vorhaben in Eggolsheim angesichts der Proteste aus der Bevölkerung nicht mehr weiterverfolgt. Die Diskussion und die mögliche Abstimmung im Marktgemeinderat hatten sich damit erledigt.

 

Die Protestierenden haben eine Betriebsansiedlung in einem weitgehend bereits für Gewerbe vorgesehenen Bereich verhindert. Die Gründe waren der weitere Verkehr, der Lärm und die Abgase der angekündigten 30 LKW-Fahrten am Tag, die Flächenversiegelung, die Gebäudedimension, um nur die wichtigsten Punkte zu nennen. Die Schaffung von 70-100 neuen Arbeitsplätzen, ein Greenbuilding mit selbstverwerteter Solarenergie vom Dach, über 30 % Grünflächen auf dem Gelände und die wirtschaftlichen Erträge konnten nicht überzeugen. Soweit so gut, alles erledigt, zurück zur Tagesordnung? Weit gefehlt!

 

Dem Markt Eggolsheim entgehen durch den Rückzug der Fa Geis einmalige Einnahmen von über 300.000 € und jährliche Einnahmen von etwa 150.000 €. Das sind über eine Laufzeit von 25 Jahren 4 Mio €, die wir sehr dringend für die Finanzierung anstehender Projekte hätten brauchen können.

 

Ich erinnere zudem daran, dass sich nicht nur die genannte Firma wegen Bürgerprotesten nicht ansiedelt, sondern dass mit Bürgerprotesten auch Windräder auf der langen Meile verhindert wurden. Bei 5 Windrädern modernster Bauweise wäre ein Stromertrag von mindestens 60.000.000 KWh pro Jahr möglich gewesen. Wir wären energieautark geworden und hätte Strom exportieren können, das wäre schon unter Klimaschutzaspekten herausragend gewesen. Doch auch wirtschaftlich hätten wir profitiert, was ich bei der damaligen Auseinandersetzung bewusst nicht in den Mittelpunkt gestellt hatte: Heute will es nachholen: Die Kommunen erhalten bei der Windenergie einen Bonus für ihr Engagement von 0,2 cent pro KWh und Jahr. Dies hätte in unserem Fall (60.000.000 kwh) 120.000 € im Jahr ergeben. Wenn man noch übliche Gewerbesteuererträge von etwa 80.000 € im Jahr rechnet, dann hätte man zusammen über eine Laufzeit von 25 Jahren einen kommunalen Ertrag von 5 Mio € erzielt. Die Zahlen habe ich übrigens von einem Fachmann überprüfen lassen.

 

Wenn ich die wirtschaftlichen Ergebnisse der beiden Bürgerproteste zusammenzähle, dann fehlen 9 Mio € in 25 Jahren oder 360.000 € im Jahr. Und da wir auf diese und weitere Erträge aus wirtschaftlicher Tätigkeit immer gesetzt haben, fehlen diese ganz einfach. Zudem rechne ich schwer damit, dass auch weitere Betriebsansiedlungen kritisch gesehen werden. Damit wird man umgehen müssen. Ich für meinen Teil sage dazu ganz deutlich: Es wird bei zurückgehenden Einnahmen schwierig, die anstehenden Pflichtaufgaben zu bewältigen. Für Wünschenswertes wird der Spielraum sehr, sehr eng. Der Marktgemeinderat wird auf seiner Klausur im Herbst sagen müssen wie es weitergehen soll. Ich sehe nur drei Möglichkeiten: Erstens: Extremes Sparen und angedachte Projekte immer weiter verschieben (z.B. Sportgelände, Dorferneuerungen, Vereins-, Feuerwehr- und Gemeinschaftshäuser). Zweitens: Kommunale Steuern wie die Grund- und Gewerbesteuern entscheidend erhöhen. Drittens: Bei allen wichtigen Großprojekten sofort die gesetzlich vorgesehenen Instrumente der direkten Demokratie, also Bürger- oder Ratsentscheide einsetzen. Ich bin mir nämlich sehr sicher, dass nur bei gemeindeweiten Bürgerentscheiden das Gesamtinteresse der Bevölkerung zum Ausdruck kommt. Und darum geht es letztendlich: Was will die gesamte Bevölkerung.

Nun wünsche ich schöne Ferien, einen schönen Urlaub, passen Sie auf sich auf und bleiben Sie vorsichtig und gesund.

Herzlich
Ihr und Euer 

Claus Schwarzmann
1. Bürgermeister

 

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